Die Entwicklung der Familienforschung in Vorarlberg

Von Ludwig Welti
Quelle: Jahrbuch des Vorarlberger Landesmuseumsverein 1958/59

In k. u. k. Zeiten

Nach den von dem bekannten Genealogen P. Gabriel Bucelin O. S, B., Prior von St. Johann in Feldkirch, 1666 in der Rhaetia Ethrusca Romana Gallica Germanica . " Sacra et Prophana Töpo-Chrono-Stemmatographica herausgegebenen Stamm- und Ahnentafeln der Feldkircher Pat'rizierfamilien hat sich in Vorarlberg niemand mehr so eingehend mit Familienforschung befasst wie P. J. Joller SJ. in Feldkirch, der um 1860 daran ging, ein Vorarlberger Geschlechterbuch zusammenzutragen. Es blieb mit seinen sieben handgeschriebenen Bänden ein ergänzungsbedürftiger Torso. Er gab 1860 im Jahresberichte des Feldkircher Gymnasiums die ersten Urkunden und Regesten aus dem Palastarchiv in Hohenems mit dem für die Erfassung der ältesten Familiennamen im unteren Rheintal wichtigen Urbar Ulrichs II. von Ems um 1394 heraus.

Im Jahre 1868 veröffentlichte Friedrich Lorinser "Gedenkblätter der Familie Lorinser" mit Abbildungen von bürgerlichen Familienwappen aus Bludenz, Sonnenberg und Montafon mit kurzen geschichtlichen Erläuterungen.

Prof. Josef Zösmair beschäftigte sich neben der politischen Geschichte Vorarlbergs im Mittelalter auch eingehender mit der 1846 von Vanotti erstmals auf urkundlicher Grundlage bearbeiteten Genealogie der Grafen von Montfort Werdenberg (J. B. 1877-1879 des Gymnasiums in Feldkirch), der Ritter Thumb von Neuburg (9. R. B. d. V. M. V. 1879) und der ältesten Emser (29. J. B. 1890). Er gab mit Graf Hugo von Walderdorff von 1880 bis 1892 auch die für die Familienkunde unserer bäuerlichen Geschlechter wichtigen Urkundenauszüge aus dem Hohenemser Archiv heraus. Graf Walderdorff ließ ihnen im 33. J. B. 1894 solche zur Geschichte des Geschlechtes Wittenbach folgen.

Prof. Gebhard Fischer erschloß mit seinen 1896 bis 1901 in den J. B. (auch im folgenden sind damit die Jahresberichte des Vorarlberger Landesmuseums gemeint) publizierten Archivberichten aus Vorarlberg den Inhalt der Pfarr- und Gemeindearchive wenigstens in Form von Kurzregesten auch für die Familienforschung. Besonders eingehend sind seine im 31./32. J. B. des Feldkircher Gymnasiums 1886/87 enthaltenen Urkundenauszüge aus dem Dornbirner Archiv und die Urkundenauszüge aus dem Bludenzer Archiv (27./28. J. B. 1888/89).

Hermann Sander schenkte uns 1899 eine erschöpfende Darstellung der österreichischen Vögte von Bludenz. Nach ihm hat sich niemand mehr an eine ähnliche Arbeit gewagt. Er fügte in seinen Beiträgen zur Geschichte des Frauenklosters St. Peter bei Bludenz (Innsbruck 1901) auch ein Verzeichnis der Klosterfrauen bei.

Josef Gorbach legte in "Alt-Bludenz, seine Ämter. und Einrichtungen mit bes. Berücksichtigung des 17. Jahrhunderts" im 39. J. B. 1900 fast lückenlose Listen der Bürgermeister (1521-1784), der Untervögte (1478-1792), der Säckelmeister (1550-1778) und der Stadtschreiber (1466-1787) von Bludenz vor.

P. Pirmin Lindner leistete im 41. J. B. 1902/03 mit seinem Album von Mehrerau mit den Abts- und Mönchslisten dieses bedeutendsten Vorarlberger Klosters auch einen wichtigen Beitrag zur Familienkunde.

Markus Diem brachte im J. B. von 1904 eine Liste von hervorragenden Personen, welche Vorarlberg und Liechtenstein entstammten oder diese Länder förderten, mit Kurzbiographien.

Die von J. Bergmann schon 1844 mit seinen Untersuchungen über die freien Walliser oder Walser in Graubünden und Vorarlberg inaugurierte W a l s e r - F o r s c h u n g wurde durch den aus Lustenau stammenden Pfarrer Josef Grabherr 1887 im 26. J. B. mit seiner Untersuchung "Damüls Einst und Jetzt" und im Vorarlberger Volkskalender 1891/92 mit der Abhandlung "Die Walser in Vorarlberg, bes. im großen Walserthale", durch Hermann San der mit den 1886 und 1892 erschienenen Beiträgen zur Geschichte des vorarlbergischen Gerichtes Tannberg und durch das 1891 aufgelegte Buch von Fink-Klenze "Der Mittelberg" , das bereits eine Geschlechterliste des Kleinen Walsertales und Betrachtungen über die Taufnamengebung der Walser enthält, gefördert und von Zösmair im 22. J. B. 1893 um die Abhandlung "Die Ansiedlungen der Walser in der Herrschaft Feldkirchs" c. 1300 - c. 1450 bereichert.

Die im 36. J. B. 1897 erschienene Arbeit Grabherrs über die reichsfreie Herrschaft St. Gerold enthält Listen der Keller, Ammänner und Seelsorger dieses von Einsiedeln beherrschten Walsergebietes. Er widmete den Edlen von der Halden zu Haldenegg eine archivalische Studie (Vorarlberger Volkskalender 1899). In seiner gründlichen Abhandlung über die reichsunmittelbare Herrschaft Blumenegg im Jubiläumsjahrbuch von 1906 sind neben Pfarrer- auch Ammännerlisten von Blumenegg und Sonntag-Raggal enthalten. Er befasste sich 1912 in den Veröffentlichungen des Vereins für christliche Kunst und Wissenschaft in Vorarlberg auch mit Burgen und Adel im Walgau.

Die im Vorarlberger Volkskalender von 1877 bis 1885 veröffentlichte Serie von Stipendienstiftungen erschließt dem Familienforscher wichtige Quellen zur Erkenntnis genealogischer Zusammenhänge, da zur Erlangung dieser Stipendien Abstammungsnachweise in Form von Stammtafeln verlangt wurden. Das Vorarlberger Landesarchiv birgt einige solcher Stipendienstammbäume: Bereuter, Morscher, Willi, Engstler etc.

Pfarrer Joseph Hiller beschäftigte sich in seinem 1890 erschienenen Buche "Au im Bregenzerwalde 1390-1890" u. a. mit den Geschlechts- und Taufnamen dieser Gemeinde und machte erstmals auch auf die Baumeisterfamilien der berühmt gewordenen Auer Zunft aufmerksam, die dann von Fachlehrer Franz Dieth erforscht wurden.

Lehrer Georg Keckeis erarbeitete in der topographisch-historischen Beschreibung der Ortschaften Röthis und Viktorsberg im 45. J. B. 1907 Geschlechterlisten dieser Gemeinden und eine Liste der Landammänner von Rankweil S.17;

Im 46. J. B. gab Altons Leuprecht 1909 die gut illustrierte, gründliche Geschichte der Familie Seeger in Vorarlberg heraus. 1908 folgten seine Gedenkblätter der Familie Gaßner. Er legte als Stadtarchivar ein von Forschern gerne benütztes Geschlechterbuch von Bludenz an.

In der ersten Republik

Adolf Helbok setzte seine Untersuchung über die Bevölkerung der Stadt Bregenz am Bodensee vom 14. bis zum Beginne des 18. Jahrhunderts (Innsbruck 1912) 1930 und 1932 in den von ihm redigierten Vorarlberger Monatsheften "Heimat", 11. und 12. Jahrg., mit den Aufsätzen "Soziale und politische Umgestaltungen und Kämpfe im alten Bregenz" und "Die sozialen Kämpfe in der Bürgerschaft, das Cliquenwesen und die Wirtschaftspolitik des Rates in Bregenz" fort.

Er schnitt im 3. Excurse zu den von ihm bearbeiteten Regesten von Vorarlberg und Liechtenstein (1920-1925) auch genealogische Fragen zur Geschichte der Grafen aus den Häusern Udalrich, Pfullendorf und Tübingen an, die für die Beurteilung des Montforter Besitzes und des Reichsgutes im Lande eine noch im Flusse stehende Diskussionsgrundlage boten.

Im 9. Jahrgang der von ihm redigierten Vierteljahresschrift für Geschichte und Landeskunde Vorarlbergs stellte er 1925 die Genealogie der Grafen von Montfort-Werdenberg in ihrer Frühzeit bis 1260 übersichtlich zusammen, nachdem er sich schon im 8. Jahrgang dieser Zeitschrift mit den Dienstmannen von Montfort befasst hatte.

In diesem Zusammenhange sind auch die Forschungsergebnisse B. Bilgeris in seiner Siedlungsgeschichte des Bregenzerwaldes (Alemannia, 9./10. Bd., '] 935/36) über Reichsgut, Montforterbesitz und Gotteshausgut wichtig.

Alois H. Berchtold gab im Katholischen Volkskalender von 1922 den bisher besten Überblick über unsere Familiennamen. Er hatte um 1919 auf Grund von amtlichen Unterlagen eine nach Gemeinden geordnete Namenskartei aller alteingesessenen Geschlechter des Landes und ihrer Stärke (Familienzahl) angelegt, die sich nun im Besitze des Walser Chronisten und Volksgenealogen Alfons Köberle in Riezlern befindet. Sie müsste noch durch urkundliche Nachweise von Erstnennungen, Zu- und Abwanderungen, sowie durch Einbeziehung von ausgestorbenen Geschlechtern ergänzt werden, um aus ihr ein Familiennamenbuch von Vorarlberg werden zu lassen.

Zur organisatorischen Bewältigung dieser die Arbeitskraft eines einzelnen übersteigenden Aufgabe wurde im Vereinsjahre 1924/25 unter der Leitung von Archivar Dr. W. Wolf im Rahmen des Landesmuseumsvereins ein Fa m i l i e n k u n d l i c h e r A r b e i t s a u s s c h u s s gebildet, der einen im 10. Jahrgang der Vierteljahresschrift f. G. u. L. V., S. 176 abgedruckten Arbeits- und Organisationsplan entwarf. Nach der während des Vereinsjahres 1926/27 erfolgten Berufung Dr. Wolfs nach Wien übernahm Prof. Dr. O. Baldauf die Leitung. Er war mehr an einer anthropologischen Aufnahme (Schädelmessungen) der bodenständigen Bevölkerung des Landes interessiert, die von Dr. med. Romedius Wacker schon 1912 mit einer Anthropologie der WaIser des Großen Walsertales in der Zeitschrift für Ethnologie eingeleitet worden war. Die "Heimat" widmete 1925 den Walsern ein Sonderheft.

Der Chronist Alfons Köberle in Riezlern schuf um diese Zeit in mehreren handgeschriebenen, reichbebilderten, dicken Bänden die erste vollständige Volksgenealogie einer ganzen Talschaft, des Kleinen Walsertales. Er ist seither bemüht, sie durch Erforschung und Erfassung der Aus- und Zuwanderer auf dem laufenden zu halten und auch das Tannberggebiet in seinen Forschungsbereich einzubeziehen.

Einen überaus wertvollen Beitrag zur Familienkunde leistete der unermüdliche Kirchenarchivar Dr. Andreas Ulmer mit seinen 1925 bei der Verlagsanstalt in Dornbirn verlegten Burgen und Edelsitzen Vorarlbergs und Liechtensteins. Dabei kommen natürlich vor allem die Besitzfolgen adeliger Familien zur Geltung. Im 1. Jahrgang der "Alemannia" von 1926/27 beschrieb er eingehend die zahlreichen Epitaphien der Bregenzer Stadtpfarrkirche und erhielt auf diese Weise viele von ihnen (bes. die an den Außenwänden angebracht gewesenen) nach dem Abräumen im Gedächtnis der Nachwelt.

Im Dornbirner Sonderheft der "Heimat" (1926) charakterisierte Pfarrer A. H. Berchtold die Dornbirner Geschlechter und gab eine Übersicht über ihre Stärke. Franz Häfele ging den Dornbirner Personennamen in früheren Zeiten nach und M. Natter hielt einige Dornbirner als Amerikaauswanderer fest. Hermann Gsteu untersuchte den Bevölkerungsstand von Dornbirn und seine natürlichen Grundlagen, Josef Gasser Zehentpflicht und Leibeigenschaft im alten Dornbirn mit einer Liste der hohenemsischen Leibeigenen von 1613. Franz Häfele legte mit seiner gründlichen Untersuchung über "Dornbirner Familiennamen, ihre ältesten und bedeutendsten Träger" im 8. Jahrgang der "Heimat" (1927) den Grund zu einer noch eingehenderen, bis jetzt ausständig gebliebenen Geschlechterliste von Dornbirn. In der "Heimat" (1931) ist ein von J. G. Luger zusammengestelltes Verzeichnis der Häuser im Viertel Markt mit Angabe der Vulgo- und Familiennamen und der Beschäftigung der Bewohner zu finden.

Alfons Leuprecht sammelte die Hausmarken und Siegelzeichen von Bludenz, Montafon, Sonnenberg und Blumenegg und gab sie mit einer eingehenden Erläuterung im Jahrbuch 1928 heraus. Er ergänzte diese Sammlung im 12. Jahrgang der "Heimat", S. 65, und ließ sie 1936 in das Vorarlberger Wappenwerk des Pfarrers G. W. Gunz aufnehmen.

Im 9. Jahrgang der "Heimat" wurde 1927 durch eine Öffentliche Umfrage ein Zusammenschluss der im Lande familiengeschichtlich Arbeitenden angebahnt.

A. Leuprecht machte im 11. Jahrgang der "Heimat" (1930) vergeblich Vorschläge zur leichteren Auswertung der Kirchenbücher durch die Forschung. Er leistete in demselben Jahrgang durch die Veröffentlichung der Liste der Vorgesetzten im Montafon und der Bludenzer Musterrolle von 1546 einen wertvollen Beitrag zur Montafoner und Bludenzer Geschlechterkunde.

Im 3. Jahrgang der von Pfarrer A. H. Berchtold redigierten Zeitschrift "Alemannia" war 1929 das dritte Heft der Familienforschung gewidmet. Es brachte neben praktischen Forschungsanleitungen eine gute Zusammenstellung der Familiennamen des Bregenzerwaldes und erstmals eine Übersicht über die Kirchenbücher (Matriken) des Landes und ihre Lücken.

Dr. M. Tiefenthaler erweiterte diese wertvolle, Quellenübersicht 1934 im 8. Jahrgang der "Alemannia" und im 21. Jahrgang des "Feierabend" (Beilage zur Vorarlberger Landeszeitung) 1939 durch eine eingehende Beschreibung der Bestände des Vorarlberger Landesarchivs und der Gemeinde- und Pfarrarchive, die jeder ernsthafte Familienforscher benützen muss, wenn er über eine bloße Stammbaum- und Ahnentafelforschung hinaus auch soziale, wirtschaftliche, politische und kulturelle Zusammenhänge erfassen will, in die seine Vorfahren hineingestellt waren. Franz A. Schatzmann und Johann Ferdinand Frick befassten sich in den Heimatkunden von Altenstadt und Gisingen 1928 und 1929 auch mit den Geschlechtern, ihren Vulgonamen und Auswanderern. Ulrich Nägele gab im 13. Jahrgang des "Feierabend", S. 379, einen guten Querschnitt durch die bodenständigen Götzner Geschlechter um 1930. Pfarrer Karl Fritz gab 1930 in - "Die alte und neue Heimat der Walser" erstmals einen Gesamtüberblick über die Walsergeschlechter des Landes mit urkundlichen Erstnennungen. Der "Holunder" (Beilage zur Vorarlberger Landeszeitung) brachte 1929/30 Erklärungen von Unterländer Familiennamen und Angaben über die Bodenständigkeit der Bevölkerung von Hard.

Im Jahre 1931 übernahm der durch die Organisation des Landesarchivs, durch Herausgabe von Regesten zur Vorarlberger Landesgeschichte, der Urkunden des Stadtarchivs in Bregenz bis 1600 (1931/32) und vieler Alpurkunden verdiente Landesarchivar Viktor Kleiner die Führung des Landesmuseumsvereins und des familienkundlichen Ausschusses. Bezüglich seines reichen Lebenswerkes im Dienste der Landesforschung verweise ich auf das im Jahrbuch 1957 von seiner Tochter, Hedwig Reckefuß, zusammengestellte Verzeichnis seiner sämtlichen Publikationen.

Im 15. Jahrgang der "Heimat" von 1934 wird S. 77 im Jahresberichte des L.M.V. pro 1933 der Ausschuss "F r e i e A r b e i t s g e m e i n s c h a f t f ü r F a m i 1 i e n f o r s c h u n g" genannt und als sein Ziel die Erarbeitung von Geschlechterlisten als Grundlagen für ein Vorarlberger Geschlechterbuch, die Sammlung von Stammbäumen, Wappen, Siegeln und Hausmarken und von Lichtbildern aller ä l t e r e n G r a b d e n k m ä l e r angegeben.

A. Leuprecht gab 1931 in der "Heimat", S. 263 H., Aufschluss über die Inventare im Stadtarchiv Bludenz, forderte 1934 ein F a m i 1 i e n b u c h von Vorarlberg (Alemannia S. 208) und legte ein bis 1880 reichendes Familiennamenverzeichnis von Bludenz mit den Jahren der urkundlichen Erstnennungen vor. Es müsste noch mit Angaben über die Herkunft und das Aussterben bzw. über die Abwanderung von Geschlechtern und über ihre ungefähre Stärke vervollständigt werden.

Franz Häfele beschrieb und erläuterte in "St. Anton, Friedhofskirche und Friedhof von Ems" im 8. Jahrgang der "Alemannia" 1934 die ältesten Grabdenkmäler und Votivbilder dieser in die Pestzeit zurückreichenden Begräbnisstätte.

Georg Schelling wies im selben Jahrgang, Seite 56, in "Das Hohenemser Taufbuch" Wege zur Auswertung unserer Taufbücher. "Die hollensteinischen Familienannalen in Lustenau" machen uns in der Alemannia von 1935, S. 35 ff., mit einer vorbildlichen Familienchronik des 18. Jahrhunderts bekannt. In derselben Zeitschrift erfahren wir 1935/36 auch "Was das Lustenauer Totenbuch erzählt".

In den Jahren 1936 und 1937 gab Leopold Schwarz die vom landbekannten Zimbapfarrer G. W. Gunz in Tisis (t 1956) in jahrelanger Sammeltätigkeit zustandegebrachten Serien der Bürger- und Adelswappen Vorarlbergs in zwei Teilen heraus und fügte auch einen Neudruck der Hauszeichensammlung A. Leuprechts und der von Viktor Kleiner und Hans Hämmerle in der "Alemannia" 1927 herausgegebenen ältesten Vorarlberger Siegel bei.

Karl Kelz und Andreas Ulmer gaben in der 1939 bei der Verlagsanstalt in Dornbirn erschienenen, bald sehr selten gewordenen Geschichte des Feldkircher Friedhofs viele brauchbare Unterlagen zu weiteren Forschungen auf dem Gebiete der Feldkircher Familiengeschichte.

Einen guten Querschnitt durch den Geschlechterbestand des österreichischen Teiles von Vorarlberg gibt die von M. Tiefenthaler 1940 im 23. Band der Allgäuer Heimatbücher bearbeitete Musterliste, von 1621, die die wehrfähige Mannschaft z. T. mit Altersangaben festhält. Das alphabetische Register orientiert rasch über das Vorkommen der Geschlechter in den verschiedenen Gemeinden.

Wer sich über das rege Bildungsstreben in Vorarlberg unterrichten will, findet in den beiden Büchern des Feldkircher Jesuiten P. Anton L u d e w i g "Vorarlberger an in- und ausländischen Hochschulen vom Ausgange des 13. bis zur Mitte des 17. Jahrhunderts" und "Die am Feldkircher Lyzeum im 17. und 18. Jahrhundert studierende Jugend", Forschungen zur Geschichte Vorarlbergs und Liechtensteins, 1. und 7. Bd., 1920 und 1932, eine Fülle von Namen, von biographischen und genealogischen Angaben. Über die Feldkircher Germaniker in Rom gab P. Anton Ludewig im 5. Jahrgang der "Alemannia", S. 157 ff., Aufschluss.

Die von ihm 1922 bearbeitete Geschichte des ehemaligen Klarissenklosters in Valduna bringt auch genealogische Notizen zu den Verzeichnissen der Nonnen. Monographien über die anderen alten Frauenklöster im Land1 (Thalbach, Hirschthai, St. Anna, Dominikanerinnen in Altenstadt vor 1800) würden zur Feststellung kommen, dass es die reichen Familien des Beamtenadels, des städtischen und ländlichen Patriziats verstanden, ihre nicht heiratslustigen Töchter in diesen Klöstern zu versorgen und diese durch ihre Mitgift in die Lage zu versetzen, den Besitz der Toten Hand zu mehren. Armen Bürger- und Bauerntöchtern war es deshalb in der Feudalzeit schwer möglich, dort unterzukommen.

In den ersten Jahren nach dem Anschluss Österreichs an Deutschland wurde die Ahnenforschung durch den von den politischen Behörden geforderten arischen Ahnennachweis in Form von Ahnenpässen und Arierscheinen vorübergehend große Mode. Das Vorarlberger Tagblatt brachte 1942 eine Serie von Artikeln über verschiedene Dornbirner Geschlechter. Dem Vorarlberger Landesarchiv wurde ein von Eugen Elsensohn aus Dornbirn eingerichtetes Sippenamt angegliedert. Seine kurze Tätigkeit bestand in der Ausarbeitung von Ahnenpässen für prominente Parteigenossen (Gauleiter Hofer etc.) und in der Herstellung von Gipsabgüssen von Vorarlberger Siegeln. Der 2. Weltkrieg setzte dieser nicht kriegswichtigen Betätigung bald ein Ende.

In der zweiten Republik

Nach der Reaktivierung des Museumsvereins wurde bei einer am 11.12.1947 im Landesmuseum abgehaltenen konstituierenden Sitzung auch der familienkundliche Ausschuss als freie Arbeitsgemeinschaft für Familienforschung unter der Leitung des Berichterstatters wieder gebildet. Er erließ anfangs 1949 in den Tageszeitungen einen Aufruf zur Sammlung von Vorarlberger Familiennamen in Form von Geschlechterlisten und bekam dank der einsichtigen Bemühungen des Herrn Generalvikariatsrates Monsignore Dr. Johannes Schöch auch eine annähernde Übersicht über die in den einzelnen Pfarreien vorhandenen F a m i 1 i e n b ü c h e r.

Fr. Barbara Hammerer arbeitete eine Geschlechterliste von Egg aus, die von Lehrer Berger in Großdorf durch eine kartographische Darstellung der Heiratskreise vervollständigt und bis zur Gegenwart herauf geführt wird. Eduard L i n s schuf eine Geschlechterliste von Schnifis. Direktor Franz Vallaster brachte eine von 1632 bis 1680 reichende Liste von Gaschurn zustande, bevor er nach Graz übersiedelte.

Geistlicher Rat Pfarrer Konrad Renn hat das von ihm bearbeitete Familienbuch von H o h e n e m s auch mit vielen urkundlichen Belegen aus Pfarr- und Palastarchiv reich garniert. Pfarrer i. R. Franz Josef Jutz arbeitete ein ebenso vorbildliches Familienbuch von A l b e r s c h w e n d e aus. Geistlicher Rat Pfarrer Georg Schelling arbeitet umsichtig an einer eingehenden Geschlechterkunde der stark industrialisierten Walgaugemeinde N e n z i n g. Bis jetzt liegt eine gründliche Monographie über die Schallert im Manuskript vor. Er bearbeitete aber auch schon die Geschlechter Egger, Stoß, Burtscher, Lerch, Amann, Honeck, Keßler, Tschabrun, Gantner, Rusch, Häusle, Müller, Bösch, Bertsch, Küng, Beck, Metzler und Gabriel.

In dem zum 50. Jahrestage der Stadterhebung 1951 erschienenen Heimatbuch "Die Gartenstadt Dornbirn" brachte Dipl.-Ing. Rudolf Hämmerle, der sich seit Jahren mit der Dornbirner Geschlechterkunde befasst, ein vollständiges Verzeichnis der Dornbirner Gemeindeammänner mit Zeichnungen ihrer Siegel und Wappen und den Wortlaut des Wappenbriefes für Thomas Rhomberg von 1634. Ing. Helmut Lanzl berichtete über Auswanderer nach Amerika. Prof. Paul Stroh (1954) beschäftigte sich eingehend mit einer Häusergeschichte der Stadt, kam aber nicht mehr zu einer Publikation. Er schrieb für den Jubiläumsjahresbericht 1952/53 die Geschichte der Dornbirner Realschule.

Alfons Köberle stellte 1950 eine gut illustrierte Familienchronik der Meusburger zusammen. Architekt Gasteiner in Salzburg gab 1953 eine neue Landammännertafel des Bregenzerwaldes heraus.

Bürgermeister Anton Brugger bearbeitet eine Geschlechterliste von Tschagguns, Schuldirektor Otto Werle eine solche von Thüringerberg, Herr Ferdinand Böhler in Feldkirch-Levis die von Rankweil. Er hat von folgenden Familien Stammbäume zusammengestellt: Peter (Ebnit), Gopp (Tosters und Nofels), Mayer (Tosten; und Götzis), Beck (Triesnerberg, Tisis, Blumenegg), Graber (Rankweil, Klaus), Baur (Feldkirch, Rankweil-Sulz, Götzis), Konrad (Frastanz, Blumenegg), Jutz (Frastanz, Vorderland), Märk (Rankweil, Feldkirch), Bayer (Tosters), Fitsch (Montafon), Stier (Tosters), Gstach (Frastanz), Erne (Schlins, Rankweil), Nachbaur (Vorderland), Schecher (Triesnerberg), Kopf (Altach), Metzler (Feldkirch).

Der Obmann des Ausschusses schrieb eine Familiengeschichte der Waibel in der Reichsgrafschaft Hohenems und einen Abriss über die Berlinger aus Au im Bregenzerwald mit Stammbäumen (nur im Manuskript).

Er leistete mit der Herausgabe des Fallbuches der hohenemsischen Grundherrschaft von 1596 bis 1653 in den J. B. d. 1. M. V. von 1949 bis 1953, mit den Kommentaren zur Hohenemser, Ebniter, Lustenauer und Dornbirner Soziologie und den auch urkundliche Erstnennungen anführenden Geschlechterlisten des Kellhofbereiches Wolfurt und des innersten Bregenzerwaldes und in dem 1953 erschienenen Lauteracher Heimatbuch mit der Untersuchung des Aufbaus der heutigen Bevölkerung und mit der bis 1900 reichenden Geschlechterliste von Lauterach mit Geburtenkurve von 1626 bis 1786 und einem Verzeichnis der Hausbesitzer von 1780 mit gleichzeitigem Ortsplan Vorarbeiten zu einem noch immer ausständigen Vorarlberger Familiennamenbuch.

Die Liechtensteiner und Tiroler sind uns Vorarlbergern mit der Sammlung und Erklärung der Familiennamen beispielgebend vorangegangen. Joseph Ospelt veröffentlichte im 39. Bd. des J. B. des Historischen Vereins für das Fürstentum Liechtenstein eine Liste aller bis 1900 erfassbaren Familiennamen mit Belegen für urkundliche Erstnennungen und mit Angaben über bedeutendere Persönlichkeiten.

Karl Finsterwalder untersuchte im 81. Bd. der Schiernschriften die Familiennamen in Tirol und Nachbargebieten und die Entwicklung des Personennamens im Mittelalter mit urkundlichen Belegen und sprachwissenschaftlichen Erklärungen. In "Der Leitnamenbrauch" (Montfort 8. Jg. 1956) weist der aus dem Blumeneggischen stammende Dr. Alexander Schneider in Frankfurt der Methodik der Familienforschung neue Wege. Er hat der Heimat seiner Ahnen in seinen Beiträgen zur Familiengeschichte des Walgaues (Montfort, 4. Jg. 1949), in "Die von der Halden in Vorarlberg" (Montfort, 6. Jg. 1951/52) und im Reiteroberst Franz Schneider (Montfort, 7. Jg. 1955) ein würdiges Denkmal gesetzt. Wir dürfen von dem rüstigen Siebziger noch eine Genealogie der Blumenegger Landammänner erwarten.

Aus dem von M. Tiefenthaler im 6. Jahrgang der Montfort veröffentlichten und kommentierten Schuldenverzeichnis der Herrschaft Sonnenberg von etwa 1630 gewinnen wir einen wertvollen Einblick in die durch Wucher und Kriegselend verursachte schwere Verschuldung der ländlichen Bevölkerung des Oberlandes. Aus seiner Abhandlung "Stadt und Land in Vorarlberg in früherer Zeit" (Schriften des Vereins für die Geschichte des Bodensees und seiner Umgebung, 72. Heft 1953/54) werden die schweren sozialen Spannungen zwischen den Städten und der ländlichen Bevölkerung offenbar.

Oskar Vaseila brachte mit seinen Ergänzungen zu Ludewigs Verzeichnissen der Vorarlberger Studenten im 3. Jahrgang der "Montfort" 1948 noch eine ergiebige Nachlese zusammen. Aus Hohenemser Quellen vermochte der Berichterstatter ebenda S. 278 ff. auch die Vorarlberger am Collegium Helveticum in Mailand festzustellen.

In der von Franz Huter und Anton Haidacher herausgegebenen Matrikel der Universität Innsbruck (bis jetzt der der philos. Fakultät von 1671 bis 1735), sind auch weiterhin dank der Mitarbeit von Gebhard Blank aus Sulzberg wertvolle Angaben über die dort ausgebildeten zahlreichen Landessöhne zu erwarten. Prof. Anton Vonach schilderte in zwei, 1950 und 1952 erschienenen, gut illustrierten Bänden die Geschichte des Bregenzer Gymnasiums von 1895 bis 1949 und brachte viele biographische Angaben über Lehrer und Schüler, aus denen u. a. auch die verheerenden Einbrüche der beiden Weltkriege in die Substanz unseres Volkes deutlich werden. Diese katastrophalen Einbußen werden uns auch in "Die Blutopfer unseres Landes im 1. Weltkrieg" von Dr. Richard Benzer im Jahrbuch d. M. V. von 1953, in den Kriegsopferbüchern von Lustenau (zusammengestellt von Robert Hagen 1951) und Dornbirn (bearbeitet von Otto Thalmann und Ida Bammert-Ulmer), in der von Schulrat Josef Jäger in den Vorarlberger Lehrerschematismen von 1923 und 1952 zusammengestellten Listen der in den beiden Weltkriegen gefallenen Lehrer und in allen Kriegerdenkmälern landauf und landab vor Augen gestellt.

Sie würden auch in den Alterspyramiden und Geburtenkurven unserer Gemeinden sichtbar werden, wenn sie in größerer Zahl gezeichnet würden. Das seit 1954 von der Österreichischen Akademie der Wissenschaften herausgegebene Österreichische Biographische Lexikon 1815-1950 bringt auch manche Kurzbiographien von Vorarlbergern.

Es ist in diesem Rahmen nicht möglich, auf die zahlreichen Nachrufe und Lebensbilder von Einzelpersönlichkeiten in Zeitungen und Zeitschriften einzugehen.

Quellen und Verweise

Im folgenden sind nur die in Buchform erschienen B i o g r a p h i e n bedeutender Landsleute chronologisch zusammengestellt, die im Lande selbst oder auch außerhalb desselben ihre Tätigkeit entfaltet haben:

An F a m i l i e n - und F i r m e n g e s c h i c h t e n sind außer den bereits erwähnten noch zu nennen:

Jahrgang 1956 - Aufgaben für die Zukunft

Erich Sonnweber berichtete in "Montfort" 1951/52 eingehend vom Leben und Schaffen der Feldkircher Buchdrucker. Wir erwarten von dem nun Stadtarchivar von Feldkirch gewordenen, an genealogischen Forschungen stark interessierten Professor eine ebenso gründliche Untersuchung über die Feldkircher Schulmeister und Ärzte.

Es fehlt noch immer an Biographien der führenden Verwaltungsbeamten im Lande. J. G. Pruggers Chronik von Feldkirch von 1685 ist bis 1930 viermal aufgelegt aber nie fortgesetzt worden. Es fehlen uns noch Stadtammännerlisten von Bregenz und z. T. auch noch von Feldkirch Landammännerlisten von Hofrieden, Hofsteig, Lingenau und Alberschwende, Sulzberg, Höchst und Fußach, Hohenems, Jagdberg, Damüls.

Der Obmann der Arbeitsgemeinschaft versuchte im 7. Jahrgang der "Montfort", genealogische Zusammenhänge in der Reihe der Bregenzerwälder Landammänner aufzudecken. Er wird in dem in Vorbereitung stehenden Heimatbuch von Lustenau auch genealogische Zusammenhänge unter den Hofammännern von Lustenau aufzeigen.

Weitere derartige Untersuchungen werden auch in den übrigen Gerichtsbezirken des Landes ein dem städtischen nachgebildetes ländliches Patriziat feststellen, das ebenso eheliche Verbindungen untereinander suchte und einging wie die adeligen Beamten des Landes. Rudolf Fischer zeigt in der Studie "Zur Rechts-, Sozial- und Wirtschaftsgeschichte der Alpe Binnel" im J. B. d. V. L. M. V. 1956 die eminent praktische Bedeutung der Abstammung für die Nutzungsberechtigung an Allmenden, Alpen und Wäldern. Eine Raggaler Alpe wird heute noch nur von genealogisch Berechtigten genutzt.

Die Kinderteilung Leibeigener zwischen den Grundherrschaften und die Vererbung der Leibeigenschaft nach wechselnden Gesetzen, die Besteuerung von Auswanderern in andere Gerichtsbezirke nach Art des Allgäuer Brauches unter, streichen diese Bedeutung noch ganz besonders. Die Auswirkung solcher Jahrhunderte lang geübter Praktiken kann z. B. an den Beispielen des Hohenemser Fallbuches von 1596 bis 1653 erkannt werden. In diesen Zusammenhang gehören auch die in den Zünften organisierte Gewerbe-Berechtigung und die Vererbung besonderer Begabungen und Anlagen. Sie lässt sich bis in die unscheinbarsten Verästelungen menschlicher Beziehungen und Betätigungen hinein verfolgen. Es gab neben Lehrer- und Mesnerdynastien auch Fähren-, Scharfrichter-, Taglöhner- und Vagabunden-Sippen. Kinder lediger Mütter sorgten vielfach wieder für ledigen Nachwuchs. Der Sozial- und Wirtschaftsgeschichte steht da noch ein weites Betätigungsfeld offen.

Andrä Bauer hat 1930 mit seiner "Entvölkerung und Existenzverhältnisse in Vorarlberger Berglagen" ein Problem angeschnitten, das durch die zunehmende Industrialisierung als L a n d f l u c h t immer noch aktueller wird. Prof. Ferdinand Ulmer hat in "Volk und Wirtschaft" in der von Artur Schwarz 1949 herausgegebenen Heimatkunde von Vorarlberg die Bevölkerungsbewegung im Lande, auch die Binnenwanderung und Siedlungsverlagerung mit der Wirtschaftsstruktur in Zusammenhang gebracht.

Die von Prof. Hans Kinzl am Geographischen Institut der Universität Innsbruck inaugurierten bevölkerungsbiologischen Untersuchungen und Dissertationen werden den Volkskörper noch intensiver wissenschaftlich durchleuchten. Bis jetzt liegen solche Arbeiten von Toni Rüdisser über Hohenems, Dora Diez über das Rheindelta und die von Josef Blank im Jahrbuch 1957 veröffentlichte Untersuchung über Schoppernau vor.

Die Erarbeitung von Geschlechterlisten in den einzelnen Gemeinden nach Art der im Lauteracher Heimatbuch versuchten Untersuchung des Bodenständigkeitsgrades führt unwillkürlich auch zur Berücksichtigung der Frauen und Mütter im Volksganzen und zur kartographischen und bildlichen Darstellung der Untersuchungsergebnisse. Besonders instruktiv ist da die durch die politischen Umwälzungen der letzten Jahrzehnte, durch die starke Industrialisierung und die anhaltende Hochkonjunktur bedingte ständige, ja sprunghafte Erweiterung der Heiratskreise, die ständig an der Umformung des bis jetzt noch einigermaßen bodenständig gebliebenen Volkskörpers arbeiten, wie ich an dem Lustenauer Musterbeispiel aufzeigen werde. So gesehen, bekommt die oft mühsame Arbeit des Volksgenealogen auch eine eminent praktische und aktuelle Bedeutung.